Artikel 9 der japanischen Verfassung und die Wirklichkeit der japanischen Sicherheitspolitik stehen in einem starken Kontrast. Während die pazifistische Verfassung dem Land jede Beteiligung an Operationen verbietet, die über die Verteidigung des japanischen Territoriums hinausgeht, sind die japanischen Selbstverteidigungskräfte international längst in eine Vielzahl von friedenserhaltenden Maßnahmen involviert. Die japanische Politik hat sich in den letzten Jahrzehnten über einige der Grenzen hinweggesetzt, die ihr im Bereich der Sicherheitspolitik rechtlich gesteckt sind, und die militärischen Kompetenzen des Landes graduell immer weiter ausgedehnt. Der Artikel zeichnet die rechtlichen Einschränkungen dieser Politik nach und untersucht die politischen Maßnahmen, mit denen diese Beschränkungen in Japan unterlaufen worden sind. Er beleuchtet die innenpolitischen Faktoren, wie den sich verstärkenden Nationalismus in Japan und den damit verbundenen Unwillen, sich der einer Aufarbeitung der japanischen Vergangenheit zu stellen; und er untersucht die externen, internationalen Faktoren, die zu den Revisionen der japanischen Sicherheitpolitik beigetragen haben. In diesem Zusammenhang wird das sicherheitspolitische Verhältnis Japans zu China, Südkorea, Nordkorea und den USA näher beleuchtet. Wobei sich ein besonderer Fokus auf die Funktion richtet, die Territorialstreitigkeit, wie die um die Insel Dokdo/Takeshima mit Südkorea oder Senkaku/Diaoyu mit China, im japanischen Sicherheitsansatz haben. Ein weiterer Schwerpunkt der Studie liegt auf der Untersuchung der sicherheitpolitischen Positionen der gegenwärtigen Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe, die substantielle Änderungen der Sicherheitpolitik befürwortet und dabei in einen Normalisierungsdiskurs verstrickt ist, der die Revision dieser Politik mit einem geschichtsrevisionistischen Blick auf die imperialistische Vergangenheit Japans verbindet. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Japan sich auf dem Kurs zu einer Remilitarisierung seiner Außen- und Sicherheitspolitik befindet; und er unterstreicht die Bedeutung vertrauensbildender Maßnahmen in der gegenwärtigen Situation.
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